Die verkehrt aufgeschlagenen
Hufeisen Abt
"Fingerhut" war schon lange des unbotmäßigen Treibens
der Wartenberger überdrüssig gewesen. Der leicht reizbare geistliche
Herr beschloß daher, dem Unwesen ein für allemal ein Ende zu setzen
und belagerte die Burg, um sie einzunehmen und dem Boden gleichzumachen. Aber
die Mauern der Burg und die Tapferkeit der Verteidiger trotzten jedem Angriff.
Zudem schienen die Lebensmittelvorräte der Wartenberger unerschöpflich zu sein, so daß eine weitere Belagerung sinnlos erschien. So stellten denn eines Morgens die Wachen auf Mauern und Türmen zu ihrer Überraschung fest, daß das Lager der Fuldaer geräumt war. Ausgeschickte Kundschafter bestätigten es: Der Feind war abgezogen, alle Hufspuren zeigten, daß er die Lauter abwärts geritten war. Nun wurden die Wehre gezogen, damit das aufgestaute Wasser rings um die Burg abziehen konnte.
Ein Teil der Besatzung fing an, Belagerungsschäden auszubessern, während der andere auszog, die Burg neu zu verproviantieren; das war höchste Zeit, denn Schmalhans war schon eine Weile Küchenmeister gewesen. Inzwischen hatte der Abt die Burg beobachten lassen. Als der Augenblick günstig erschien, brach er aus seinem Versteck am dichtbewaldeten Steinberg hervor und überrannte die nur schwach besetzte Burg. Die fuldische Streitmacht war nach ihrem vorgetäuschten. Abzug bald wieder umgekehrt, nachdem sie den Pferden die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen hatte. Durch diese Spuren hatten sich die Wartenberger täuschen lassen.