Münzfund auf der Kernburg
Im Mai 1939 fand Karl Maurer bei seinen Ausgrabungen 6 Silberbrakteaten in
den Trümmern des Torhauses der Vorderburg.
Im August desselben Jahres entdeckte er in nur 62 cm Tiefe zwischen Palas
II und Brunnen in der Kernburg 89 ganze und 8 halbierte Silberbrakteaten sowie
die Reste von 6 zweiseitigen Silberpfennigen. Brakteaten, einseitig geprägte
Silbermünzen (Dünnpfennige), waren zur Zeit des Bestehens von Burg
Wartenberg das gängige Zahlungsmittel. Es gab zwar auch beidseitig geprägte
Silbermünzen, zum Beispiel den Kölner Pfennig, aber das Verhältnis
der auf Burg Wartenberg gefundenen Dünnpfennige zu den Pfennigen entsprach
dem damals üblichen Umlauf. Schillinge und Pfunde waren nur
Zähleinheiten. Von den sechs Torbrakteaten, die zwischen den Resten des
Fachwerks, Ofenlehm und Steinen gefunden wurden, waren drei Stück gut
erhalten, die anderen durch Feuer und stürzende Trümmer beschädigt
worden. Sie waren zur Zeit der Belagerung und Zerstörung der Burg in
Umlauf gewesen und stammen aus den Münzstätten Alsfeld (ein Stück)
und Fulda (fünf Stück). Der Alsfelder Brakteat ist eine Prägung
des Landgrafen Heinrich I. (1247/64-1308) und hat einen Kugelrand mit den
Buchstaben A...V...A...V und zeigt unter einem Dreibogen zwei Löwen (?),
darüber vier Türme. Drei der Fuldaer Brakteaten sind Prägungen
des Abtes Heinrich von Erthal (1249-61). Sie zeigen einen Abt mit Krummstab
und Buch; zwei sind schriftlos und nur mäßig erhalten, einer zeigt
einen Perlrand mit der Inschrift H-E-N-R und ist gut erhalten. Die zwei übrigen
Fuldaer Brakteaten sind Prägungen des Abtes, der die Burg Wartenberg
zerstörte, Berthold II. von Leipholz (1261-71) und zeigen ebenfalls im
Perlkreis einen sitzenden Abt mit Stab und Buch; ein Brakteat ist gut erhalten,
der andere stark beschädigt.
Zum Fund in Palas II
Der ungewöhnlich reichhaltige Fund wurde in nur 62cm Tiefe gemacht, an
einer Stelle des Hofes, die mit Sicherheit sehr stark begangen war. Man ist
heute der Meinung, dass als Vergrabungszeit
die Jahre zwischen 1227 und 1230 anzunehmen sind, also ein Menschenalter vor
der Zerstörung der Burg. Sie lässt sich aus den Prägungsdaten
der Münzen schließen. Die Brakteaten hatten ein Durchschnittsgewicht
von 0,7 g, ihr Durchmesser betrug etwa 34 mm. Sie unterschieden sich durch
die sogenannten Beizeichen - Fahne, Schwert, sechsspitziger Stern, Kugelkreuz,
Reichsapfel, Hirschgeweih - und die Schilde der Reiter. Danach werden Landgraf
Hermann I. von Thüringen und Hessen (1190-1217), Graf Friedrich von Ziegenhain
und Wildungen (1187 - 1227), Graf Ludwig I. von Ziegenhain und Wildungen (1194
- 1226) und Graf Adolf von Dassel (1203 - 1244) mit ziemlicher Sicherheit
als Beteiligte an den Prägungen angesehen. Die Brakteaten waren rollenartig
geschichtet, die meisten befanden sich in bestem Zustand. Der Fund enthält
77 Reiterbrakteaten und zwölf mit Darstellung zweiter sitzender Dynasten.
Dieser Fund hat bis heute nichts Vergleichbares. Der Numismatiker Richard
Ohhly, Friedberg, der als erste den Fund begutachtete, schrieb, dass es sich
nicht nur um ungewöhnlich schöne Erzeugnisse der romanischen Kleinkunst
handele, sondern auch um für die Erforschung des mittelalterlichen Münzwesens
hochbedeutsame Stücke. Die Brakteaten hielt er für Erzeugnisse von
Münzstätten an der unteren Werra, oder oberen Leinegegend, welche
in unserer Heimat nicht umliefen. Für die zweiseitigen Silberpfennige
(Dinare) nahm er Westfalen als Heimat an. Er vermutete, dass ein reisender
Ritter die Münzen auf die Burg gebracht und dort verborgen habe. Karl
Maurer meldete gegen letzterer Annahme starke Bedenken an, weil die Münzen
nicht sehr tief im Boden und an stark begangener Stelle lagen. Nun, die Umstände
der Vergrabung lassen sich nicht mehr klären, aber in der Bestimmung
der Münzstätten glaubt die Forschung ein Stück weitergekommen
zu sein. Wahrscheinlich stammen die 77 Reiterbrakteaten aus einer landgräflichen
Münzstätte in Niederhessen. Da einige Münzen die Buchstaben
C und A auf dem Rand tragen, könnte Kassel in Frage kommen. Bei den zwölf
Prägungen mit Dynasten, die Graf Ludwig I. und Graf Friedrich zuzuschreiben
sind, könnte Treysa die Münzstätte gewesen sein.